Migranten & Bildung

Welchen Stellenwert hat Bildung bei ausländischen, muslimischen Jugendlichen?

 

Viele Vorurteile über das Bildungsniveau der Jugendlichen im Allgemeinen werden durch die Ergebnisse der Pisa-Studie bestätigt. Sie seien faul, desinteressiert und dumm schloss die breite Masse daraus. Doch, verhält es sich wirklich so? Wo stehen speziell die muslimischen Jugendlichen? Welche Ziele haben sie und wie gedenken sie diese zu erreichen? Würde man diese Frage den Menschen auf der Straße stellen würden die muslimischen Jugendlichen schlechter abschneiden als alle anderen Jugendlichen zusammen. Dass diese Vorurteile nicht auch ein Körnchen Wahrheit enthalten zeigen die Zahlen der ausländischen Schüler an Hauptschulen im Verhältnis zu den deutschstämmigen Schülern. Auch der Integrations-Indikatorenbericht bestätigt dies:

„[…] laut Indikatorenbericht könnten die weniger erfolgreichen Schulkarrieren von Jugendlichen mit Migrationshintergrund teilweise darauf zurückgeführt werden, dass im Haushalt nicht deutsch gesprochen wird, die Eltern ein geringes Bildungsniveau sowie eine geringe Bildungsorientierung aufweisen […]“[1]

 Diese mit der geringen Bildungsorientierung angestrebten Ausbildungswege führen in über achtzig Prozent der Fälle in einen nicht anerkannten und minderwertigen Ausbildungsberuf. Das grundlegende Problem, die Basis des mangelnden schulischen Erfolgs ist in den meisten Fällen das Elternhaus. Viele Jugendliche mit Migrationshintergrund wachsen in Familien auf, in denen Bildung nicht großgeschrieben wird. Vielmehr werden die Kinder dazu gedrängt einen kurzen Ausbildungsweg zu wählen, der sie so bald wie möglich in die Berufswelt hinausführt. Langwierige Bildungswege, wie z.B. ein Studium, kommen für viele Familien aus finanziellen Gründen gar nicht in Frage, dementsprechend werden die Sprösslinge von klein auf nicht auf Bildung getrimmt. Eigentlich könnte man meinen, dass spätestens mit dem Schulalltag der Bildungshunger der Kinder geweckt würde und sie anfingen sich (auch gegen den Willen der Eltern!) durchzusetzen und durch ihr soziales Umfeld gefördert eine bildungsgeprägte Laufbahn einschlagen. Das derzeitige Schulsystem und die sozialen Strukturen in denen viele Jugendliche gezwungen sind aufzuwachsen, machen dies zu einer reinen Utopie. Die Mehrheit der betreffenden Kinder wachsen in Vierteln auf in denen überwiegend Ausländer verkehren. Dort spielen sie mit ihren ausländischen Kameraden und leben ihre ausländischen Träume von einfachen Handwerks- und Dienstleistungsberufen und niemand findet sich, um ihnen zu zeigen, dass sie auch andere Wege gehen könnten, Wege des Erfolgs auf beruflicher und sozialer Ebene. Dementsprechend kann man sagen, dass speziell muslimische und im allgemeinen ausländische Kinder dafür prädestiniert sind einen Beruf auszuüben, der von der Gesellschaft nicht anerkannt ist. Durch die geringen Löhne, die sie in diesen Berufen bekommen werden sie automatisch in einen Teufelskreis hineingezogen, denn selbst wenn sie wollten, hätten sie nicht die nötigen Mittel oder aber nicht die nötige Zeit, um ihren Kindern eine adäquate Bildung zu ermöglichen.

Würde man hier aufhören hätte man die Meinung des 0/8/15-Bürgers getroffen und ein anerkennendes, bedauerndes Seufzen erhalten, doch gleichzeitig hätte man tausenden muslimischen Studenten und engagierten Schülern Unrecht getan. Ob man es glaubt oder nicht, es gibt sie. Engagierte, zielstrebige, intelligente ja geradezu brillante ausländische Schüler und Studenten die sich von den familiären und sozialen Determinanten nicht haben unterkriegen lassen und mittlerweile schon einen nicht zu verachtenden Anteil der Studierenden ausmachen. Sie haben sich aus der Asche ihrer defizitären Förderung erhoben und  aus eigener Anstrengung und mithilfe ihrer Willenskraft ihr Ziel der gehobenen Bildung erreicht. Auch sie haben sich ihre Eltern als Beispiele genommen, als negative jedoch und mit aller Kraft dagegen angekämpft auf einer der unteren sozialen Ebenen zu verbleiben. Der Wunsch nach einer gesicherten finanziellen und sozialen Zukunft ist bei ihnen so stark ausgeprägt, dass viele von ihnen sich bereits frühzeitig um Erwerbsmöglichkeiten gekümmert haben um sich ihren Traum vom Studium leisten zu können. Aus Erfahrung haben sie gelernt nicht eigennützig zu sein und sie versuchen das, was sie erreicht haben an die neuen Generationen der Migrantenkinder weiterzugeben. Sie unterstützen sie in Vereinen durch kostenlose Nachhilfestunden und versuchen auch auf der außerschulischen Ebene auf die junge Generation einzuwirken indem sie ihr ein Vorbild an Fleiß und Tugend sind. Diese Motivation zum Lernen schöpfen sie nicht zuletzt aus dem Islam, welcher mit dem Wort „iqraa“ – „lies“ offenbart wurde. In der ursprünglichen Form des Islam, nicht der Form in der er durch traditionell verkörperte Dummheit verfremdet wurde, ist Bildung eines jeden eines der wichtigsten Themen. So wird die Qualität eines Muslims anhand seines Wissens bemessen und nicht anhand seines Geldes, seiner Kraft, seiner Macht oder seines Aussehens. Auch hier ist es also Bildung die den Ausschlag gibt. Daher kann man davon ausgehen, dass sobald die muslimischen Jugendlichen sich zum Islam in seiner reinsten Form bekennen, ihre Rechte und Pflichten erkennen, sie auch den Bedarf an Bildung sehen und versuchen werden all‘ das wett zu machen was Jahrzehnte und Jahrhunderte an organisierter und systematischer Verdummung angerichtet haben. Den ersten Schritt, dass muss man anerkennend hinzufügen, haben sie bereits getan.  

 

S.B.



[1] http://www.migazin.de/2009/06/11/der-erste-integrations-indikatorenbericht/