Der Muslim in Deutschland - Ein Einblick

 

Das Leben der Muslime in Deutschland und anderen europäischen Ländern ist seit je her von Vorurteilen geprägt. Dass sich diese Vorurteile mittlerweile zu einem Generalverdacht entwickelt haben scheint jedoch - außer die Muslime, die ihn tagtäglich zu spüren bekommen - Keinen zu stören.

Dieser Verdacht bezieht sich nur zu einem gewissen Grad auf die vermeintlich versteckte  Gewalt- und Sterbebereitschaft auf Allahs Weg. Vielmehr werden Muslime von vornherein als dumm, asozial und nicht integriert abgestempelt. Die jungen Muslime seien aggressiver, unangepasster und zögen sich in ihre Gangs zurück, die nachts die Straßen ihrer Unterschicht-Viertel unsicherer machten als sie eh schon seien.   Die Väter - allesamt Patriarchen durch und durch - hielten sich nur in ihren Moscheen, den dazugehörigen Kaffeehäusern und Dönerbuden auf und überließen ihren ungebildeten Frauen die Erziehung der Kinder. Es mag sein, dass die ersten Einwanderergenerationen Schwierigkeiten hatten sich anzupassen und in die Gesellschaft zu integrieren, da sie aufgrund der Umstände, derer sie entstammten, nicht in der Lage waren den "Kulturschock Europa" zu verdauen.  Aber es ist anzumerken, dass vor allem Deutschland zu den Ländern gehört, die sich sehr spät um die Integration der Einwanderer bemühen. In Ländern wie z.B. England wird sich gleich der Einwanderer angenommen, dort sind soziale Unterschiede die auf dem Glauben basieren eine Seltenheit - hier jedoch überließ man Sie sich selbst und wunderte sich im Nachhinein, dass sie nicht in der Lage waren trotz Sprachbarriere Zugang dem gesellschaftlichen Leben zu finden.

Doch verhält es sich mit den zweiten und dritten Generationen, die hier geboren und aufgewachsen sind, etwas anders.  Bei diesen Generationen gibt es zwei Lager:

Die integrierten "Muslime" , die über das Ziel hinausschießen und geradewegs in die Assimilation stürzen, die sich zunächst bemühen aus den Fehlern ihrer Eltern und Großeltern zu lernen, die versuchen sich zu bilden und etwas auf die Beine zu stellen, um nicht mehr von Hartz4 und Co. abhängig zu sein und eine gewisse Stellung in der Gesellschaft zu erreichen. Dafür lassen sie all' das was sie ausmacht hinter sich - ihre Wurzeln, ihre Tradition und Religion. Sie assimilieren sich vollkommen. Solange sich diese Muslime nicht zu ihrer Religion bekennen und sie öffentlich zu praktizieren suchen, wird ihnen anerkennend auf die Schulter geklopft und hier und da freundlich zugenickt. "Sehr gut Freund, du bist in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen! Lass uns darauf einen trinken!" - Sie sind also nahezu gänzlich akzeptiert. Doch zu welchem Preis?

Das zweite Lager machen die Muslime, die sich zu ihrer Religion bekennen, sie öffentlich praktizieren und zu ihr stehen. Frauen mit Hochschulabschluss und Kopftuch. Männer mit Doktortiteln und Bart. Was ist mit all' den muslimischen Frauen, die wegen ihres Kopftuches keinen Arbeitsplatz bekommen? Was ist mit all' den Brüdern die wegen ihrer Gebete am Arbeitsplatz diskriminiert werden, die sich verstecken müssen, oder gar das Gebet ausfallen lassen - um des lieben Friedens Willen? Was wird diesen Menschen unterstellt, dass sie auf eine geballte Front der Ablehnung und Intoleranz stoßen? 

Die breite Masse der Gesellschaft geht davon aus und wird von außen zu diesem Glauben verleitet, dass die Muslime, über ihre Parallelgesellschaft, darauf aus sind einen Gottesstaat in ihren Wahlheimaten zu errichten. Die Muslime wollen, so die gängige Meinung, Sharia und Khalifat wieder aufleben lassen und die Demokratie untergraben. Sie passten sich nur an, um Zeit zu gewinnen innerhalb der Umma zu erstarken und dieses finale Ziel zu erreichen.

Wie sollen die Muslime sich also in dieser prekären Situation verhalten? Verteidigen sie sich heißt es sie fühlen sich angesprochen. Schweigen sie heißt es, sie stimmen den Vorwürfen zu. Viele schweigen, denn die offene Konfrontation ist für sie nicht selten mit negativen Konsequenzen verbunden. Sie werden von den Kollegen und Mitmenschen ausgeschlossen, gemieden und in die Außenseiterrolle gedrängt. Oft bekommen Muslime jedoch gar nicht erst die Möglichkeit sich zu diesen Vorwürfen zu äußern, da kaum jemand es wagt diese Dinge offen auszusprechen, da sie von keinem logischen Argument gestützt werden können. Diese Meinungsmache und Hetze gegen die muslimische Bevölkerung verläuft innerhalb der Gesellschaft hinter vorgehaltener Hand, von außen wird sie direkt propagiert. Die Medien leisten einen großen Beitrag dazu. So ist jede "Familientragödie" bei Nicht-Muslimen gleich ein "Ehrenmord" in einer muslimischen Familie. Jeder Muslim der etwas Schlechtes tut hat seine Motive im Qur'an oder der Sunnah gefunden, alle anderen in den Konsequenzen frühkindlicher Traumata oder anderer psychischer Schäden. Wenn ein Imam seine Frau schlägt ist er ein "Prügel-Imam" - zurecht - doch was sind die Priester/Pfarrer und kirchlichen Betreuer, die ihre Schützlinge tausendfach missbrauchen "Pedo-Pfarrer" oder "Pedo-Priester" - hat das schon mal jemand in der Zeitung gelesen? Wenn eine Muslima sich für den Hijab entscheidet wird sie kritisch beäugt und es wird sicherheitshalber angefragt ob in der Familie alles ok sei und ob sie Hilfe brauche, wenn aber eine andere Jugendliche halb-betrunken im Unterricht sitzt oder beim Geschlechtsverkehr in der Schultoilette erwischt wird so ist das die "normale" Entwicklung in diesem Alter. In was für einer Gesellschaft leben wir? Einer Gesellschaft, die jede muslimische Mutter, die bei ihren Kindern zuhause bleibt müde belächelt und jeder christlicher oder jüdischen Mutter dafür anerkennend auf die Schulter klopft. Dieser Umstand macht es den Muslimen nicht leicht in dieser Gesellschaft anzukommen, so sehr sie sich darum bemühen mögen.

 

 

 

S.B.