Dein Leben und der Islam

Ein kalter Wintertag, doch schnell lassen die Atmosphäre und der warme Tee auch bei unseren Redaktions-Reportern die Wangen wohlig glühen. Wir treffen uns hier in einem Teehaus im Münchner Osten mit zwei unserer aktiven Mitglieder, diesmal jedoch aus einem ganz bestimmten Grund. Wir wollten, neugierig wie wir sind mal wissen was sie so über den Islam, München und das Leben als junger Muslim in der Metropole denken.

Redaktion:         Danke erst mal, dass ihr euch bereiterklärt habt uns ein paar Fragen zu beantworten. Bruder, denkst du man erkennt, dass du Muslim bist? Wenn ja, woran?

Bruder S.:          Hmm.. ich denke mal nicht auf Anhieb, weil ich kein dunkler, orientalischer Typ bin. Mit meinen blonden Haaren und blauen Augen, entspreche ich nicht ganz dem Klischee. Aber die Leute in meiner Umgebung bemerken das manchmal schon an meinem Verhalten und agieren dann dementsprechend. Beispielsweise wird darauf geachtet worüber geredet wird zum Beispiel im Bezug auf die Privatsphäre oder ähnliches.

Schwester N.:     Ja, also am Aussehen lässt sich das bei dir wahrlich nicht festmachen! Allerdings wird es einem spätestens dann klar, wenn man anfängt sich ein wenig länger mit dir zu unterhalten. Fällst ja öfters mal gerne mit der Tür ins Haus und würdest am liebsten sofort jedem erzählen, wie toll der Islam ist ;)

Redaktion:         Wie ist das denn bei dir Schwester?

Schwester N.:     An meinem Äußeren erkennt man sicherlich nicht, dass ich Muslima bin. Ich trage beispielsweise noch kein Kopftuch. Auch vermuten es die meisten Leute nicht, da ich genauso wie Senadin hellhäutig und blauäugig bin. Wenn ich meinen Namen schließlich nenne, fragt man gerne mal, woher ich ursprünglich komme. Aber mit Bosnien assoziiert man seltener den Islam als z.B. mit der Türkei oder Marokko. 

Redaktion:         Wie ist das, wie integriert ihr den Islam in euer Leben oder sollten wir lieber sagen euer Leben in den Islam?

Schwester N.:     Mir gefällt die zweite Fragevariante besser…(lacht)…Es ist gar nicht so schwer! Zu den regulären Pflichten eines Teenagers, Schülers oder Studenten kommen halt die Pflichten eines Moslems wie zum Beispiel beten und fasten.

Bruder S.:          Ich mache das so, dass ich versuche Schritt für Schritt den Islam zu verinnerlichen und danach zu leben bzw. mein Leben danach zu richten. Anfangs waren es die Grundpfeiler: Gebet, Fasten etc. Und dann kam der Feinschliff, ich ging immer mehr ins Detail: Mit meinem Benehmen Anderen gegenüber und mein Verhalten im Allgemeinen. Beispielsweise achte ich jetzt viel mehr darauf, was ich wie sage und versuche niemanden mehr mit meinen Worten zu verletzen oder zu nahe zu treten.

Schwester N.:     Ja, der Feinschliff ist wohl etwas, was nie abgeschlossen werden kann! Leider lässt das benehmen vieler Jugendlicher zu wünschen übrig, seien sie Moslems oder nicht, allerdings ist es bei praktizierenden und gläubigen Muslimen selten der Fall, dass sie mit ihrem Benehmen aus der Reihe fallen! Denn ein freundliches Auftreten, Höflichkeit und Rücksichtname gehen Hand in Hand mit einem praktizierenden Muslim – du willst ja gutes für die Menschen in deiner Umgebung tun. Und dabei ist oft ein nettes Lächeln der erste Schritt!

Redaktion:         Wie gestaltest du dein Leben als Moslem in München?

Schwester N.:     Also eigentlich unterscheidet es sich nicht sehr von dem Leben der anderen, nicht-muslimischen Jugendlichen in München, mal abgesehen davon, dass wir keinen Alkohol trinken und keine Bars oder Diskotheken besuchen! Statt Samstag auf die Piste, gehe ich halt in meine Islamische Gemeinschaft, wo wir Vorträge hören, Diskussionen zu aktuellen islamischen und nicht-islamischen Themen führen und einfach gemeinsam schöne Stunden verbringen, in denen natürlich das Gebet eine zentrale Rolle spielt! Wir lachen auch mal, so ist das nicht!

Bruder S.:          Ich versuche mich vor allem in Richtung des Islam weiterzubilden. Neben den Aktivitäten in meinem muslimischen Freundeskreis lese ich sehr gerne islamische Fachliteratur, besuche Vorträge und Podiumsdiskussionen, um mich weiterzubilden.
In München hat man es nicht schwer als Muslim zu leben. Es bietet einen großen Vorteil, dass es eine Großstadt ist, man hat dadurch zahlreiche Möglichkeiten seine Pflichten, wie das Gebet zu verrichten, zu erfüllen oder erlaubtes also halal Essen zu erwerben.

Schwester N.:     Allerdings machen wir neben der islamischen Bildung auch ganz normale Sachen, treiben Sport und interessieren uns wie alle anderen auch für Literatur, Kunst und ich vor allem zum Beispiel für das Theater!

Bruder S.:          Also ich bin ja mehr der Kinogänger (lacht).

Redaktion:         Vielen Dank liebe Geschwister! Wir konnten einen guten Eindruck von eurem Leben als junge Muslime in München gewinnen! InsaAllah werden wir diesen ersten Eindruck mit weiteren Interviews unserer Mitglieder erweitern und ergänzen! Jezakallah khair!